94. Jahrestagung
19. bis 21. Juli 2017 · Rudolf-Virchow-Zentrum, Würzburg
Vereinigung der Bayerischen Chirurgen e.V.

Grußwort Univ.-Prof. Dr. med. Rainer H. Meffert

Univ.-Prof. Dr. med. Rainer H. MeffertEs ist mir eine große Freude, Sie als unsere Gäste zur 94. Jahrestagung der Bayerischen Chirurgen in der besten Jahreszeit in Würzburg begrüßen zu dürfen. Die Uniklinik Würzburg hat eine lange Chirurgische Tradition und Geschichte, die bereits mit der Gründung in 1576 durch Julius ECHTER VON MESPELBRUNN mit der Berufung von Georg LYER um 1600 begann. Persönlichkeiten wie Carl Caspar von SIEBOLD, sein Sohn Johann Bartel von SIEBOLD, Georg MARKARD, Cajetan von TEXTOR, Michael JÄGER, Ernst von BERGMANN, Hermann MAAS, Carl SCHÖNBORN, Eugen ENDERLEN und Fritz KÖNIG folgten. Letztgenannter (Fritz König 1866 – 1952) zählt zu den Mitbegründern der operativen Chirurgie der Knochenbrüche und war einer der ersten Verfechter der Spezialisierung innerhalb der Chirurgie.

Der Neubeginn der Würzburger Chirurgie nach dem 2. Weltkrieg geht auf Werner WACHSMUTH (1946 – 1969) zurück, gefolgt von Ernst KERN (1969 – 1991). Ab 1991 übernahm bis 2008 Arnulf THIEDE den ungeteilten Lehrstuhl, der durch meine Berufung in 2007 und ein Jahr später durch die Berufung von Christoph- Thomas Germer in die Klinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie und in die Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, Gefäß- und Kinderchirurgie geteilt wurde. Ein Prozess, der in Bayern erstmals an einem Standort unter einem Dach getätigt wurde. Aus heutiger Sicht – 10 Jahre später – eine selbstverständliche Entwicklung in die Spezialgebiete der modernen Chirurgie.

Im Sommer 2017 blicken wir also auf 10 Jahre Klinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie an der Universität Würzburg! Anlass für uns, dieses Jubiläum mit Ihnen gemeinsam zu begehen. Als zertifiziertes überregionales Traumazentrum im Netzwerk Nordbayern-Würzburg übernehmen wir seit Gründung eine zentrale Rolle in der Organisation und Versorgung von (schwer-) verletzten Patienten. Die enge, freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen Viszeralchirurgie und Unfallchirurgie sowie zwischen Anästhesie und Radiologie im Kernteam des Schockraums erlaubt uns den schnellen, zielgerichteten und damit professionellen Umgang mit kritischen, nicht selten akut lebensbedrohlichen Situationen. Unsere Stärke liegt aber auch in der vertrauensvollen Zusammenarbeit mit vielen Spezialdisziplinen, von denen hier nur einige genannt werden können: Allen voran ist die Neurochirurgie zu nennen, gefolgt von der MKG, HNO, Augen-, Thoraxchirurgie, Pädiatrie und natürlich unseren unermüdlichen Pflegekräften in allen Bereichen, vom Schockraum bis in den OP und die Intensivstation. Ich freue mich deshalb besonders, dass im Rahmen des Kongresses auch ein volles Fortbildungsprogramm für die Pflege und OTA zusammengestellt werden konnte. Gegenseitiger Respekt und angewandte Kompetenz sichert unseren kritischen chirurgischen Patienten eine umfassende Therapie & Fürsorge und das mehrfach jeden Tag: Unsere allzeitige Bereitschaft wurde im Jahr 2016 immerhin mit 699 Schockraumeinsätzen angefordert, also quasi 2
Mal jeden Tag.

Neben einem breiten Spektrum an Standardprozeduren haben wir auch für schwierige Herausforderungen Lösungen erarbeitet, die wir gerne mit Ihnen im Rahmen der Jahrestagung der Bayerischen Chirurgen diskutieren werden. Es ist mir deshalb ein großes Anliegen, jedem Kollegen, der unser Wissen durch einen Fallbericht oder Vortrag bereichert, die Chance auf ein aufmerksames Auditorium zu bereiten und auch Poster als Kurzpräsentationen ausreichend zu würdigen. Der Posterpreis 2017 wird also an die beste Kurzpräsentation verliehen werden. Junge, engagierte Kollegen werden auf der Jahrestagung durch weitere Preise und Reisestipendien, die hochdotierten Walter-Brendel- und Otto Goetze-Preise für sehr gute Themen aus Klinik und Forschung honoriert und wertgeschätzt. Bei ca. 115 eingereichten Abstracts allerdings ein kompetitives Feld.

Was hat der Traumatologe heute mit der Chirurgie zu tun? Hat er sich doch bereits vor über 15 Jahren aus der Chirurgie heraus zusammen mit der Orthopädie zu einem neuen Fach entwickelt, das vollständig von der Viszeral- und Allgemeinchirurgie losgelöst ist. Weit gefehlt! Der Unfallchirurg in einem Traumazentrum arbeitet notfallorientiert, setzt zeitliche Prioritäten und behandelt täglich Wunden, Gefäß-, Nerven-, Muskel-, Gelenk- und Knochenverletzungen, die Kernkompetenz chirurgischen Handelns. Blicken wir auf unsere Entwicklung zurück, wurde bereits vor 106 Jahren der Verband Bayerischer Chirurgen in München gegründet. Ein Verband, der durch zwei Weltkriege auf eigenem Boden extreme Zeiten in Deutschland durchlebt hat und durch seine Geschichte auf eine unglaubliche Erfahrung in der Traumatologie blicken kann. Unzweifelhaft, dass der Unfallchirurg einen zentralen Anteil des Gesamtfaches der Chirurgie übernimmt und der neue Facharzt Orthopädie/Unfallchirurgie sein Handeln in die degenerativen Indikationen am gleichen Zielorgan erweitert hat.

Die Spezialisierung muss gefördert werden, ohne den Blick für das Ganze zu verlieren. Es ist mir deshalb eine besondere Freude, die Themen der im Jahr 2004 gegründeten International Bone Research Association (IBRA) als eigenes Tagungsprojekt in unseren Kongress integriert zu haben. Die mit 13 Jahren noch sehr junge Fachgesellschaft ist mit Vertretern aus 35 Ländern allerdings sehr international orientiert und vermittelt uns Spezialwissen in der Hand- und Ellenbogenchirurgie. Experten aus Wien, St. Gallen, Ravensburg, Münster und München werden ihr Wissen mit uns fallbezogen teilen. Für alle, die es gleich ausprobieren wollen, haben wir einen OP-Kurs in der Anatomie vorbereitet. Ich bin heute sehr froh, bereits vor 10 Jahren Mitglied dieser Fachgesellschaft geworden zu sein, den Erfahrungsaustausch bei Vorträgen, Falldiskussionen, im Präparationssaal der Anatomie und durch eigene Live-OP´s kontinuierlich begleitet zu haben.

Aufgabe eines Kongresses ist es, aktuelle Themen aufzugreifen und mit kompetenten Referenten zu beleuchten. Wir haben in der Traumatologie deshalb folgende Schwerpunkte hervorgehoben: Gelenkchirurgie: Offen versus arthroskopisch, Alterstraumatologie, Wirbelsäulenverletzungen, Beckenfrakturen, Terror & MANV. Wir bieten die zertifizierten Kurse der DGUV für Kindertraumatologie und Rehamanagement an.

Was heißt „Digitalisierung und Vernetzung im Rettungsdienst“ aus Sicht der Autoindustrie, der Polizei und der Feuerwehrleitstelle? Können wir durch intelligente Ortungssysteme und geeignete Kommunikationswege mehr Informationen über Unfall und Verletzungsschwere erhalten? Wird die Rettungszeit kürzer und damit die Prognose verbessert werden können? Die Entwicklungsabteilungen von Audi, BMW, Mercedes und Porsche werden uns informieren.

Lassen wir die historischen und aktuellen Eckdaten zusammenfließen, ist das Kongressmotto leicht nachzuvollziehen: „Stärke aus Tradition, Perspektive durch Innovation“. Davon wollen wir für unser künftiges Handeln als Chirurgen das Beste aus dieser Tagung herausziehen. Die Teilnahme am Kongress, den wissenschaftlichen Sitzungen und den praktischen OP-Kursen soll uns die Augen für Innovationen öffnen und das Bewährte nicht in Vergessenheit geraten lassen.

Unser Kongress soll uns aber auch persönlich näher bringen. Wir haben deshalb für den Mittwochabend zwei Veranstaltungen vorbereitet: Zum Gesellschaftsabend laden wir ins Bürgerspital ein. Zur gleichen Zeit wird für unsere sportlich ambitionierten Kollegen und Studenten ein Bootsrennen am Main stattfinden. Wer ins Boot steigen wird, wird erst kurz vor dem Kongress bekannt gegeben. Am Donnerstagabend findet der traditionelle Festabend im neu restaurierten Gartensaal der Residenz statt. Es wird im Kreis der Freunde und Kollegen sicher ein sehr festliches Ambiente mit musikalischen Einlagen. Bitte frühzeitig Karten reservieren.

Wir freuen uns über Ihre geschätzte Teilnahme am VBC-Kongress und laden Sie schon heute herzlich im Sommer nach Würzburg ein.

Es grüßt Sie herzlich

Univ.-Prof. Dr. med. Rainer H. Meffert
1. Vorsitzender des VBC / Direktor der Klinik für Unfall-, Hand-, Plastische und Wiederherstellungschirurgie,
Universität Würzburg / Vorstandsmitglied der IBRA

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